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Scrum inspizieren und anpassen?

Ken Schwaber hat vor ein paar Jahren die Scrum Alliance verlassen, um auf seine eigene Weise Scrum zum Erfolg zu bringen. Mitgenommen hat er den Scrum Guide, der - aus seiner Sicht - die gültige Definition von Scrum darstellen soll. Das aktuelle Online Assessment für Certified ScrumMaster stellt zum großen Teil Elemente aus dem ursprünglichen Scrum Guide sowie weiteren Literaturquellen. Inzwischen hat Ken Schwaber zusammen mit Jeff Sutherland eine neue Version des Scrum Guides bereitgestellt - und einiges umdefiniert

  • Das Product Backlog ist nicht mehr priorisiert, sondern geordnet.
  • Aus dem Begriff Commitment wurde inzwischen Forecast.
  • Das Release Planning ist kein Kernbestandteil von Scrum.
  • Das Sprint Backlog ist nicht automatisch eine Liste von Aufgaben, sondern die Summe der Planungen des Teams. 

Die Änderungen werden gerne als radikale Umdefinion von Scrum verstanden. Tatsächlich handelt es sich um keine Änderung der Bestandteile von Scrum, sondern eine Anpassung der Vermittlung. Ziel ist es, Scrum-Neulingen ein besseres Verständnis der Grundlagen zu vermitteln. Manche Begriffe scheinen über das Ziel hinaus zu schiessen, andere die ursprüngliche Botschaft abzuschwächen. Insofern ist es interessant, dass Ken Schwaber inzwischen ein Programm anbietet, Scrum selbst - also die Definitionen im Scrum Guide - anzupassen. Darüber hinaus wurde ein Programm zur Sammlung von Erweiterungen des Scrum Guides ins Leben gerufen. Erstaunlich, wenn man die bislang eher dogmatisch anmutende geistige Urheberschaft der Scrum Basis von Schwaber betrachtet.

Auf der anderen Seite ist die Scrum Alliance auch nicht untätig. Das bislang wenig beachtete Projekt einer Scrumpedia von Mike Cohn soll in Zukunft durch eine Plattform ergänzt oder gar abgelöst werden, in der eine durch die Scrum Community getriebene Definition und Praktikensammlung entstehen soll. Die neue Plattform, unter anderem betreut von Ron Jeffries, verfolgt allerdings nicht das Ziel, eine einzige gültige Definition zu bieten. Stattdessen sollen verschiedene Perspektiven und Darstellungsformen verbunden werden. Das kann zu mehr Verständnis, aber auch zu mehr Verwirrung führen. 

Vielleicht hilft das Modell von Tobias Mayer weiter, dass die Essenz von Scrum - auf das allernötigste reduziert - darstellen soll. Dieses Modell ist sicherlich allgemein gültig, bringt aber bei seinem hohen Abstraktionsniveau wenig praktische Anhaltspunkte. In unseren Kursen werden wir häufig gefragt: "Welches Scrum-Buch soll ich denn nun lesen, welches ist am Besten?" Antwort: "Alle lesen, keines ist am Besten!".