Agile Fluency™ für Embedded Development

Agile Fluency

Vortrag auf der embedded meets Agile 2016

Geschrieben von Andreas Schliep am 22.02.2016

So viele Buzzwords in einer Überschrift. Ein Experiment, eine Konferenz, ein Workshop. Worum geht es? Agile Fluency™ ist ein Ansatz von Diana Larsen und James Shore, Teams bei der Identifikation und Fortentwicklung ihrer Fähigkeiten zu unterstützen. Dabei kann man sich die Agile Fluency - Flüssigkeit - analog zum Spracherwerb vorstellen. Zum einen gibt es verschiedene Stufen, auf denen ich eine Sprache potentiell beherrschen kann. Zum anderen brauche ich nicht in jedem Kontext absolut flüssig und verhandlungssicher rüberkommen. Um im Urlaub ein paar Lebensmittel einzukaufen, genügt schon ein recht geringer Wortschatz, die Grammatik spielt praktisch keine Rolle. Bei einer Vertragsverhandlung mit ausländischen Geschäftspartnern sollte ich auch die Feinheiten einer Fremdsprache beherrschen können, ansonsten lande ich schnell dort, wo ich nicht sein möchte. Es macht vielleicht keinen Sinn, ein Cambridge First Certificate in English zu erwerben, wenn ich eigentlich einen einfachen Volkshochschulkurs für meine Bedürfnisse besuchen könnte. Es geht also um Einschätzung, Wert und Weg. Ein Agile Fluency™ Coach besucht ein agiles Team, geht einen aus empirischen Beobachtungen kompilierten Einschätzungskatalog durch, und hilft dem Team dann bei der Bestimmung der Entwicklungsziele und -Wege.

Die Stufen von Agile Fluency™ reichen von ★ bis ★★★★:

★ Fokussiere auf Wert

  • Betrachte Fortschritt aus der Geschäftsperspektive
  • Ändere im Bedarfsfall die Ausrichtung der Teams

★★ Liefere Wert

  • Liefere im Rhythmus des Markts
  • Nimm regelmässig die Wertschöpfung mit
  • Decke frühzeitig Blockaden auf

★★★ Optimiere Wert

  • Treffe exzellente Entscheidungen über das Produkt
  • Beseitige Übergabepunkte
  • Beschleunige die Entscheidungsfindung

★★★★ Optimiere für Systeme

  • Sorge für gegenseitige Befruchtung der Perspektiven
  • Stimuliere Innovation
  • Optimiere den Wertfluss

Agile Fluency™ wurde für und mit Software Teams entwickelt. Allerdings diskutieren wir bei DasScrumTeam schon länger die Anwendung agiler Prinzipien auf Entwicklungsvorhaben ausserhalb der Software. Wie steht es da mit embedded Systemen, bei denen ja nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Produkts aus Software besteht? Lassen sich die agilen Prinzipien generell, und insbesondere die Betrachtungsweisen von Agile Fluency™ überhaupt auf Entwicklungsvorhaben übertragen, die immer noch größtenteils durch die Verfolgung des V-Modells getrieben werden?

Es gibt einige Beispiele dafür, dass es durchaus sehr viele Möglichkeiten gibt. Wir haben schon vor einiger Zeit von der Firma soplar berichtet, die inzwischen ihre Anlagenkonstruktion mit selbstorganisierten Teams angehen. Wir selbst haben einige Erfahrungen mit unseren Kunden aus dem Automotivebereich, der Medizintechnik, Mobiltelefonie und anderen integrierten Bereichen gesammelt.

Mit einer kleinen Teilnehmergruppe habe ich auf der Konferenz zunächst einmal das Konzept der Agile Fluency™ erörtert, um dann auf konkrete Praktiken und Maßnahmen zur Verbesserung der Flüssigkeit einzugehen. Das Konzept passt sehr schön mit der Feature Team Adoption Map von LeSS zusammen, um zum Beispiel die Abhängigkeit der Fluency von dem Produktbegriff und der Fertigkeiten des funktionsübergreifenden Teams zu illustrieren.

In Zukunft werden wir in Zusammenarbeit mit dem Agile Fluency-Experten und -Moderator Steve Holyer mehr aus dem Bereich der Agile Fluency in unsere Kurse einbringen -- und auch an dem Thema Agilität über die Softwareentwicklung hinaus dranbleiben.

Andreas Schliep

Über den Autor

Andreas Schliep

Andreas Schliep ist ein Gründungsmitglied von DasScrumTeam AG. Er arbeitet als Scrum Coach und Trainer. Nach seinem Besuch der Hochschule Bremerhaven arbeitete Andreas zunächst als Softwareentwickler, Projektleiter, Teamleiter und später auch Bereichsleiter. Zu Scrum kam Andreas 2003-2004 durch seine damaligen Kollegen bei WEB.DE. Nach der Scrum Implementierung dort wechselte Andreas 2006 zur SPRiNT iT und machte sich 2008 als Coach und Trainer selbständig. Heute liegen seine Schwerpunkte neben der Einführung und dem Ausbau von Scrum insbesondere beim Qualitätsmanagement und der nachhaltigen Verbesserung von Entwicklungsteams.

  • Erfahrung mit Scrum seit Frühjahr 2004 als Scrum Master, Product Owner, Teammitglied, Coach und Trainer.
  • Einführung von Scrum bei der WEB.DE AG und ComBOTS AG
  • Betreuung von international verteilten Scrum Teams bei BenQ-Siemens
  • Betreuung von Scrum Teams bei bwin Wien Unterstützung des Übergangs von RUP zu Scrum bei UOL Brasilien
  • Weitere Scrum-Implementierungen in D/A/CH
  • Besondere Interessen: Skalierung und Verbesserungsprozesse