Botschafter für Scrum

Probe TAC Planning

Wie Trainerkandidaten und wir das Unmögliche möglich gemacht haben

Geschrieben von Andreas Schliep am 07.04.2020

Aki Enomoto ist ein Kandidat für den Scrum Alliance Certified Scrum Trainer. Aki lebt in Tokio. Als Coach unterstützt er unter anderem die Arbeit bei Groove X. Seit einer ganzen Weile bietet Aki zusammen mit unserem Trainer Peter Beck Kurse zum CSM oder CSPO in Tokio an. Die Kurse werden auf Englisch mit japanischer Simultan-Übersetzung abgehalten. Aki hatte sich angemeldet zu unserem Probe-Trainer Approval Committee in Karlsruhe Ende März. Das sollte aber nicht sein. Schon vor der Absage sämtlicher Fortbildungsveranstaltungen durch die Bundesregierung hatte Aki aufgrund der Pandemie seine Teilnahme abgesagt. Ebenso erging es zwei Kandidaten aus USA, die sich schon sehr auf den Termin gefreut hatten. Zumal sie bereits einen TAC-Termin zum nächsten Scrum Gathering in New York bekommen hatten. Doch mentos - Dr. Jürgen Hoffmann - und ich hatten die entscheidende Idee: Wir führen auch das Probe-TAC über Videokonferenz durch!

Der Weg zum Certified Scrum Trainer ist beschwerlich. Bis zum Certified Scrum Professional gibt es klare Lernziele und eine Vielzahl von Fortbildungsangeboten. Wenn man dann aber die sogenannten Guide Level der Scrum Alliance anstrebt, ist man auf sich selbst angewiesen. DasScrumTeam hat schon immer werdende Trainer auf ihrer Reise unterstützt. Eine große Herausforderung stellt dabei die Prüfung durch das Trainer Approval Committee - TAC - der Scrum Alliance dar. Dort scheitern viele Kandidaten an ihrer Nervosität, dem Fokus, an anderen vermeidbaren Fehlern. Deshalb haben wir die Probe-TAC ins Leben gerufen. Mehrmals im Jahr bieten wir oder andere CSTs aus unserem Netzwerk neuen Kandidaten die Gelegenheit, ihre Präsentation, ihre Klarheit, ihre Botschaft vor dem letzten Schritt zum CST zu optimieren.

Dieses Probe-TAC sollte aber ganz anders werden. Mit zwei Kandidaten aus USA, einem aus Japan und zwei weiteren aus Deutschland wagten wir das Experiment eines virtuellen Proberaums. Dafür mussten sich Anil aus New York und Aki aus Tokio ganz schön an unsere Zeitzone anpassen. Beide waren fast über die ganze Länge des Meetings dabei. Und das erwies sich als gewinnbringend für alle Beteiligten. Zudem gab es einige Herausforderungen zu lösen:

  1. Das normale TAC - und damit auch die Probe - finden in einem echten Schulungsraum statt. Wir brauchten also erst einmal eine passende Ausweichmöglichkeit. Aufgrund unserer Erfahrungen mit den ersten angepassten Schulungen im virtuellen Kursraum haben wir Zoom fürs Video und die Miro-Plattform als geteiltes Whiteboard gewählt.
  2. Was bei uns ein normaler Arbeitstag von 9-17 Uhr ist, wird für die Teilnehmer auf anderen Kontinenten zur einer enormen zeitlichen und energetischen Herausforderung. Wir waren erstaunt darüber, wie gut die Kandidaten die ungewöhnlichen Arbeitszeiten durchgehalten haben.
  3. Natürlich haben wir und unsere Kandidaten eine ganze Reihe anderer Sorgen, als den Weg zum Certified Scrum Trainer. Während des Termins spitzte sich die Situation global weiter zu.

Doch diese Herausforderungen konnten uns nicht davon abhalten, weiter etwas für die Community der Scrum Trainer durchzuführen. Und so starteten wir in einen langen, intensiven Arbeitstag. Das Probe-TAC soll die Erfahrung eines echten Prüfungstermins möglichst realitätsnah nachempfinden. Leichter gesagt als getan unter den Umständen. Allerdings konnten wir über die Kandidaten und unsere Kontakte zur Scrum Alliance schon eine mögliche Variante des TAC vorwegnehmen. Ein TAC im virtuellen Kursraum, mit einer Videoverbindung und einer Arbeitsplattform. 

Eine Prüfungssituation ist schon schwierig genug. Wir haben es den Kandidaten nicht gerade leicht gemacht. So hatten sie gerade mal 15 Minuten Zeit, sich auf ein kurz vorher ausgewähltes Thema vorzubereiten. Die Bandbreite der Themen reichte dabei über das Product Backlog Refinement über die Sprint Retrospective bis hin zu der Gegenüberstellung von Scrum und Projektmanagement. Dabei nutzten die Kandidaten die Miro-Plattform recht kreativ, zeigten aber auch Konzepte auf dem per Video eingeblendeten Flipchart oder brachten Zeichnungen mit ein. Alles Techniken, die natürlich auch in einem Training oder Workshop mit einem verteilten Team zur Anwendung kommen können.

Nach der Trainingseinheit gab es dann das enorm wertvolle Feedback an die Kandidaten. Ob es nun um Hinweise zur Verwendung der Arbeitsplattform, der Ausleuchtung des Heimarbeitsplatzes aber auch konkretes Feedback zu Inhalten und Darstellungsformen gab: die Teilnehmer waren dankbar über die Reflektion ihrer Fähigkeiten und die Entwicklungsmöglichkeiten. Damit hatten wir nach dem Trainer Retreat schon das zweite neuartige Ereignis für die Agile Trainer-Community mit auf die Beine gestellt.

Inzwischen sind drei weitere Trainer aus Deutschland und UK in den Probe-TAC-Kreis mit eingetreten. Dieser Kreis ist nur für Trainer offen, die bereits ihre Bewerbungsunterlagen bei der Scrum Alliance eingereicht haben. Wir geben euch gerne in unserer Community Tipps für euren Weg zum Agilen Trainer und Coach. 

Übrigens: Das Probe-TAC haben wir ehrenamtlich angeboten. Wir sehen uns als Teil der Community und teilen deshalb auch mit der Community.