Team Responsibility Game

Team Responsibility Game
Geschrieben von Yuliya Mijuk am 22.09.2014

Am 09.09. fand die 6. Lean Agile & Scrum Konferenz in Zürich statt. In einer der interaktiven Sessions hat Markus Wittwer „Team responsibility game“ vorgestellt.

Dieses Spiel macht richtig Spaß und zeigt, wie wichtig es ist, dass alle Teammitglieder gleichmäßig Verantwortung für ihre gemeinsame Arbeit übernehmen. Es hilft auch zu verstehen, welchen Einfluss bestimmte personelle Gruppenveränderungen auf den Erfolg einer Gruppe und das gemeinsame Arbeiten haben.

Ich finde das Spiel wert, weiterverbreitet zu werden.

Was braucht man für das Spiel?

Aufblasbare Bälle und etwa 6 Meter lange zu einem Kreis gebundene Seile (1 Ball und 1 Seil für etwa 7 Personen).

Spielablauf:

Der Moderator bittet das Publikum sich in Gruppen von etwa 7 Personen aufzuteilen. Jede der Gruppen bekommt einen aufblasbaren Strandball und einen zu einem Kreis gebundenen Seil. Danach müssen die Gruppen das Seil dazu verwenden, um ein Netz zu bauen, das fähig ist, den Ball zu halten.  Dabei soll jedes der Gruppenmitglieder sich mit zwei Händen am Seil halten und ziehen. Jedem Teammitglied soll der Reihe nach eine Nummer zugeordnet werden.

Sobald die Netze fertig sind, sagt der Moderator, dass die Gruppen sich den Raum entlang im Kreis fortbewegen sollen und dabei mit dem Ball spielen. Der Ball soll immer in Bewegung sein und darf nicht fallengelassen werden. 

Während die Gruppen sich im Kreis bewegen und mit dem Ball spielen, gibt ihnen der Moderator einige Anweisungen zu Gruppenveränderungen.

  1. Mitglied Nr. 6 sollte zu 130% die Verantwortung in der Gruppe übernehmen und an seinem Netzteil entsprechend stärker ziehen. Nach einer bis zwei Runden haben alle wieder zu 100% die Verantwortung.
  2. Mitglied Nr. 1 schwächt die Verantwortung auf 70 %. Nach einer Weile (1 bis 2 Runden) laufen alle wieder normal (100% Verantwortung).
  3. 3 und 6 haben einen Konflikt und ziehen das Netz auseinander. Nach einer Weile kommt wieder die Anweisung normal zu laufen.
  4. Nr. 4 wechselt in eine andere Gruppe und bleibt dort.
  5. Mitgliederwechsel zw. 2 und 5 in der Gruppe.
  6. Mitglied Nr. 3 arbeitet für zwei Gruppen: macht eine Hand frei und greift sich das Netz einer der Nachbargruppen. Nach 1 Runde wieder loslassen und normal laufen.
  7. Mitglied Nr.  7 arbeitet „remote“: schließt die Augen. Nach einer Weile wieder normal laufen.

Danach folgt

die Nachbesprechung der Teamerfahrungen im Team :

  • Was ist den Teammitgliedern aufgefallen?
  • Welchen Einfluss hatten die Veränderungen auf das Team?
  • Welche Verwendung könnte dieses Spiel haben?

Austausch der Erfahrungen zwischen den Teams: Eines der Teammitglieder vertritt das Team und fasst das Besprochene zusammen

Einige Schlüsselerlebnisse in meinem Team:

  • Multi-Tasking ging gar nicht 
  • Am besten lässt es sich arbeiten, wenn die Verantwortung gleich verteilt ist
  • Verlust eines Teammitgliedes war weniger schwierig als die Aufnahme eins neuen Mitglieds
  • Remote Arbeiten ging gut, evtl. dadurch, dass das Remote-Mitglied schon länger im Team war
  • Je mehr Veränderungen wir erlebt haben, desto komplexer wurde unser Netz und war sogar zwischendurch reparaturbedürftig

Mögliche Verwendung:

Retrospektive – als Teambildungsmassnahme

Demowerkzeug für Geschäftsleitungen, um zu zeigen, dass

  • ein Team Zeit braucht, bis es anfängt reibungslos zusammenzuarbeiten
  • bei jeder Teamveränderung wiederholt gewisse Zeit nötig ist, bis das Team sich gefangen hat und wieder anfängt gut zusammen zu arbeiten
  • es bei der Arbeit in mehreren Teams und mehreren Projekten  sehr schwierig ist, Erfolge zu erzielen

Ich konnte mich an den Ablauf des Spiels nicht 100% genau erinnern, es ist aber meiner Meinung nach für die Verwendung des Spiels nicht so wichtig. Ihr könnt auch andere Gruppenveränderungen im Spiel austesten und neue Anwendungsfälle suchen.  Man kann zum Beispiel im Spiel auch  3 Mitglieder „remote“ arbeiten lassen und schauen, ob es genau so glatt geht wie mit einem.

Nach dem Schreiben dieses Artikels habe ich festgestellt, dass ich nicht die einzige war, die vom Spiel begeistert wurde. Hier findet man Fotos zum Spiel und eine alternative Beschreibung in englischer Sprache.

Yuliya Mijuk

Über die Autorin

Yuliya Mijuk

Yuliyas berufliches Leben fing gleich mit Scrum an. Sie ist Certified Scrum Professional und hatte ihre Zertifizierung als ScrumMaster in 2006. Nach dem Computerlinguistikstudium an der LMU München kam sie 2004 zu WEB.DE, wo zu dieser Zeit die Umstellung auf Scrum stattfand. Später hat Yuliya als ScrumMaster und Scrum Coach bei SPRiNT iT und bei billiger.de gearbeitet.