Wie integriert man Geschäftseinheiten in Scrum?

Business Units in Scrum
Geschrieben von Andreas Schliep am 12.05.2015

"Ich leite ein Team von Business Projektmanagern, die für alle Nicht-IT-Aspekte eines Projekts verantwortlich sind. Wenn wir uns in Richtung Scrum bewegen, wie können wir Marketing / Kommunikation / Schulung / Legal / Compliance / Übergabe / Betrieb/etc., etc., mit dem Scrum-Prozess in Einklang bringen? Ich meine, dass Software nur ein Teil von all dem ist, was getan werden muss, um etwas auf dem Markt einführen zu können. Ich bin in einem sehr komplexen Geschäft, in dem der Beitrag von bis zu 20 Geschäftseinheiten erforderlich ist, damit man etwas einführt. Alles, was ich sehe, ist der eigentliche Scrum Prozess aber nicht, wie er mit den anderen Geschäftsbereichen zusammenspielt, um etwas auf den Markt zu bringen. Für Einsichten diesbezüglich wäre ich sehr dankbar."

Dieses Thema ist üblich für die Einführung von agilen Praktiken. Die erste Frage sollte sein, ob du und dein Team bereit seid, ein paar Experimente durchzumachen, um den Arbeitsprozess und eure Umgebung zu verändern. Es gibt mehrere Ansätze, die euch helfen können, aber die meisten von ihnen erfordern mehr oder weniger radikale Anpassungen.

Ein vernünftiger Ansatz, der gut zu Scrum passt, ist die Einführung von Kanban zusammen mit Scrum. Ruft euer Team zusammen, die IT sollte auch dabei sein, und fangt damit an, eure Wertschöpfungskette zu identifizieren und zu visualisieren. Ihr könnt euch Erweiterungen für euer Scrum Board überlegen: ein paar Spalten vor und nach dem IT-Teil (geplant / zu tun / in Arbeit / Test / erledigt). Ihr könntet so den Durchlauf von jeder beliebigen Funtkionalität oder eines Projektbestandteils durch die verschiedenen Schritte des Produktionsprozesses verfolgen. Dies sollte euch ein Gefühl für die aktuellen Abläufe und ihre Schwachstellen geben.

Eure Wertschöpfungskette könnte wie folgt aussehen:

NEW | LEGAL APPROVED | READY FOR IT | IT DEV | IT TEST | VERIFICATION & COMPLIANCE | OPS | TRAINING | MARKETING

Oder sie könnte sogar in verschiedene parallele Wege gabeln, in Abhängigkeit mit euren tatsächlichen Arbeitsabläufen. Visualisiert die Stationen, analysiert die Abläufe und die Rückkopplungsschleifen, betrachtet die Warteschlangen oder die Ausgabewarteschlangen (wie Funktionalität, die IT TEST durchgelaufen ist, und bereit für die VERIFICATION & COMPLIANCE ist).

Während der Scrum Teil durch die Existenz von Sprints die Anzahl von parallel laufenden Entwicklungsarbeiten begrenzt (Work in Progress - WIP), möchtet ihr vielleicht noch WIP Limits für andere Produktionsphasen einführen - z.B. erlaubt maximal 2 Funktionalitäten in der Phase "Legal Verification", weil ihr dort limitierte Kapazitäten habt.

Wenn ihr diese ersten Schritte befolgt, werdet ihr viel mehr über eure Abläufe und das Optimierungspotenzial rausfinden. Es empfiehlt sich das Kanban Buch von David Anderson zu lesen oder sich durch einen Kanban & Scrum Experten beraten zu lassen.

Der Kern dieses Ansatzes ist, dass ihr ein Gefühl der Dringlichkeit und Bereitschaft für die Veränderung in eurem Unternehmen etabliert. Alles, was in eure Anforderung- / Projekt-Warteschlange reinläuft, wird sichtbar gemacht. Ihr findet Engpässe oder funktionale Silos heraus, die eure Wertschöpfung blockieren. Ihr werdet sehen, dass Kooperation und funktionsübergreifende Arbeit zu unerwarteten Beschleunigungen, Wissensverbreitung und Verbesserung der Lernprozesse führen kann.

Andreas Schliep

Über den Autor

Andreas Schliep

Andreas Schliep ist ein Gründungsmitglied von DasScrumTeam AG. Er arbeitet als Scrum Coach und Trainer. Nach seinem Besuch der Hochschule Bremerhaven arbeitete Andreas zunächst als Softwareentwickler, Projektleiter, Teamleiter und später auch Bereichsleiter. Zu Scrum kam Andreas 2003-2004 durch seine damaligen Kollegen bei WEB.DE. Nach der Scrum Implementierung dort wechselte Andreas 2006 zur SPRiNT iT und machte sich 2008 als Coach und Trainer selbständig. Heute liegen seine Schwerpunkte neben der Einführung und dem Ausbau von Scrum insbesondere beim Qualitätsmanagement und der nachhaltigen Verbesserung von Entwicklungsteams.

  • Erfahrung mit Scrum seit Frühjahr 2004 als Scrum Master, Product Owner, Teammitglied, Coach und Trainer.
  • Einführung von Scrum bei der WEB.DE AG und ComBOTS AG
  • Betreuung von international verteilten Scrum Teams bei BenQ-Siemens
  • Betreuung von Scrum Teams bei bwin Wien Unterstützung des Übergangs von RUP zu Scrum bei UOL Brasilien
  • Weitere Scrum-Implementierungen in D/A/CH
  • Besondere Interessen: Skalierung und Verbesserungsprozesse
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